Denkt man an die Mongolei kommen einem zuerst meist Chingis Khan, kalte, sonnige Winter, trockene Wüsten und grasende Pferdeherden in den Sinn. All dies findet man hier – und soviel mehr. Jeder Besucher hat sich zuvor die Frage gestellt: warum die Mongolei? Die meisten Reisenden werden von der unberührten Natur angezogen – und kommen mit einer tiefen und manchmal lebensverändernden Erfahrung zurück, die sie mit einer der letzten nomadischen Kulturen und seinem Volk gemacht haben. Es stimmt, das Gefühl in einer unendlichen Weite zu stehen – keine Gebäude, keine Zäune – nicht das geringste Anzeichen menschlicher Ansiedlung, ist unvergleichlich. Und dennoch sind es die Menschen der Mongolei, die uns über unser Leben und darüber, was wirklich wichtig ist, nachdenken lassen. Sie geben uns einen erfrischenden Lebensimpuls mit ihrem Enthusiasmus, ihrer großen Gastfreundschaft und ihrer Hoffnung, auch angesichts extremster Bedingungen.
Im Folgenden nur ein Ausschnitt aus der immensen Vielfalt dieses wunderbaren Landes und seiner besonderen Menschen
Die Gobi ist eine Wüste wie keine andere. Flache Trockenplateaus erstrecken sich über Tausende von Kilometern, nur selten unterbrochen von einer einzelnen Jurte oder einer Herde Ziegen, Kamele oder Schafe. Milane kreisen am wolkenlosen blauen Himmel und die Sonne brennt unbarmherzig auf alle und alles nieder. Die Wüste Gobi ist das am dünnsten besiedelte Gebiet der Mongolei. Trotz des extrem trockenen Klimas gedeiht hier eine Vielzahl an seltenen Vögeln und Wildtieren, wie der legendäre Schneeleopard, der Gobibär und das wilde Bergschaf (Argali).
Eines der letzten wilden Grassteppen der Welt – Tausende Hektar offenes Land, ohne jegliches Zeichen menschlicher Behausung. Das ist das weite Grasland der Ostmongolei, nur unterbrochen von riesigen Herden grasender Antilopen. Die Mongolen sagen, dass, wenn sich diese Herden graziler Tiere bewegen, es aussähe als bewege sich die Erde. Im Osten bietet mit seinen vielen kleinen Seen Lebensraum für eine Fülle an Vogelarten – perfekt für den passionierten Hobby-Ornithologen und Fotografen.
Das sind die wogenden Ebenen der Mongolei kombiniert mit einer faszinierenden Mischung aus uralter Stammesgeschichte und buddhistischen Traditionen. Der Buddhismus, der für viele Jahrzehnte in der Mongolei verboten war, wird wieder frei praktiziert, und die eindrücklichen, prunkvollen Klöster werden von rezitierenden Mönchen als Tempel der Andacht genutzt. Das Kloster Erdene Zuu ist das größte funktionierende Kloster in der Mongolei, das derzeit allmählich und liebevoll zu seiner früheren Pracht restauriert wird. Das Kloster befindet sich in Karakorum, der alten Hauptstadt der Mongolei. Hier brach Chingis Khan mit seiner berühmten Kavallerie, die schließlich halb Europa eroberte, auf. Hier breitete sich das größte Imperium aus, das die Welt je gesehen hat. Die Landschaft ist gleichermaßen faszinierend – mit erloschenen Vulkankratern, die verblüffende Felsformationen und gewaltige Schluchten mit schnell fließenden Flüssen und Wasserfällen hervorgebracht haben.
Westmongolei
Die aufragende Erhabenheit des Altai Gebirges dominiert jeden Blick in der Westmongolei, mit seinen höchsten und am meisten verehrten Gipfeln, dem Becken der Großen Seen, Jahrtausende alten Felsmalereien und uralten Türkische Grabstätten. Die Vielfalt der Landschaften spiegelt sich in der Vielzahl der ethnischen Gruppen, die in diesem Gebiet leben, wie beispielsweise den Kasachen, die für ihre Tradition der Jagd mit Goldenen Adlern berühmt sind.
Der Norden, bekannt für seine hohen, mit Taiga bedeckten Berge, seine kristallklaren Seen, Flüsse, in denen sich Taimen und Lennok tummeln, und seine saftig-grünen Täler. Im oberen Zipfel der Mongolei befindet sich der Khuvsgul-See, der sich inmitten eines Nationalparks befindet. Der See ist allen Mongolen heilig, sie nennen ihn „Mutter“ oder „Meer“. Nordwestlich des Sees lebt die ethnische Gruppe der Tsaatan oder Rentierhirten. Seit Jahrhunderten leben sie in tipiähnlichen Zelten aus Rentierhaut, benutzen Rentiere (Tsaa) zum Transport, Reiten und Melken.
Chingis Khan, der Feldherr der einst das weltgrößte Imperium schuf, begann seinen Aufstieg bescheiden als Junge namens Temujin an den Ufern des Flusses Onon. Die Heimat Temujins ist heute der Khan-Khentii-Nationalpark, ein Gebiet, das sich seine einzigartige Wildnis bewahrt hat. Der Park im Nordosten der Mongolei hat eine Fläche von 1,2 Mio Hektar und besteht aus Bergen mit zu bizarren Formen abgeschliffenen Felsen, Wäldern, Feuchtland und alpiner Tundra. Die Flüsse Onon und Kherlen durchfließen das Gebiet, das außerdem für seine heißen Quellen berühmt ist, die seit Jahrhunderten für Heilzwecke genutzt werden. Seltene Säugetiere, wie die vom Aussterben bedrohten Moschustiere, Elche, Braunbären, Wölfe, Füchse und Rehe durchstreifen die Wälder. Außerdem kommen Historiker gerne hierher, um uralte Begräbnisstätten und Türkische Steingravuren zu untersuchen.
Die Hauptstadt der Mongolei Ulan Bator, oder Roter Recke, bekam ihren Namen, nachdem zu Beginn des letzten Jahrhunderts die Kommunisten ihre Macht etabliert hatten. Die Stadt hatte bereits lange vorher als nomadisierende Zeltstadt existiert, und war geistiges Zentrum des Buddhismus. Heute ist die Hauptstadt eine Mischung von russisch inspirierter Architektur, unglaublich schlanken Mädchen auf Plateausohlen, Leuchtreklamen, Diskos und Internetcafes – alles beschleunigte Versuche ins 21. Jahrhundert zu gelangen; und es ist die ältere Generation, die das Leben langsamer angeht - die mit Enkeln und einem Schachbrett in der Sonne sitzt, und ihre, der Zeit ausgebleichten Deels trägt. Egal ob Sie Ulan Bator mögen oder nicht, hier kommen Sie an und hier reisen Sie ab. Nehmen Sie sich die Zeit und betrachten Sie diese Stadt mit all ihren Widersprüchen und unterschiedlichen Aspekten.